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Strafrecht

Was droht bei einer falschen Aussage vor der Polizei?

Wenn die Polizei Sie befragt und etwas nicht stimmt, hängt die Folge davon ab, ob Sie Zeuge oder Beschuldigter waren. Passt Ihre Aussage nicht zur Akte, prüfen wir Ihre Risiken.

Rechtsanwalt Nikolai OdebralskiRechtsanwalt Nikolai OdebralskiExperte SexualstrafrechtSeit 2010 im Einsatz
Fall vertraulich prüfen lassen→Zur Antwort

Was droht bei einer falschen Aussage vor der Polizei?
Lesezeit: 8 Min
AuszeichnungAusgezeichnet als Top Anwalt 2026 für Sexualstrafrecht, F.A.Z.-Institut, 10.09.2025520 Bewertungen bei anwalt.de (5,0 ★)595 Bewertungen bei google.com (5,0 ★)182 Bewertungen bei ProvenExpert (5,0 ★)
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Wer bei der Polizei absichtlich die Unwahrheit sagt, riskiert trotzdem ein Strafverfahren, auch wenn es keine Falschaussage im engeren Sinn ist. Eine bewusst falsche Aussage vor der Polizei ist nicht nach §§ 153, 154 StGB strafbar, weil die Polizei keine Eide abnimmt. Wer aber eine Straftat erfindet, macht sich nach § 145d StGB strafbar: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Sie haben bei der Polizei etwas gesagt, das nicht stimmte, oder überlegen, wie eine Vernehmung rechtlich zu bewerten ist? Dann kommt es darauf an, ob Sie als Zeuge, Beschuldigter oder Geschädigter aussagen und ob Absicht im Spiel war. Im Folgenden klären wir, welche Delikte neben der Falschaussage infrage kommen, wie Vorsatz und Irrtum unterschieden werden und was für die eigene Rolle gilt.

Praxisfall · Ausgangslage

Nach einem Streit im Bekanntenkreis wird eine berufstätige Frau von der Polizei als Zeugin vernommen. Sie wollte einer befreundeten Person nicht schaden und hat deshalb Details weggelassen und einzelne Abläufe abgeschwächt. Zu Hause kommt die Angst: Waren ihre Angaben falsch? Sie liest von Falschaussage, Meineid und Gefängnis und fragt sich, was nun auf sie zukommt.

Die erste Frage lautet nicht, ob die Angaben vollständig waren, sondern vor wem sie gemacht wurden. Davon hängt ab, welche Straftatbestände überhaupt in Betracht kommen. Die zweite Frage betrifft Ihre Rolle: Zeuge, Beschuldigter oder Geschädigter. Erst danach spielt die Absicht eine Rolle. Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob aus einer unguten Erinnerung ein echtes Risiko wird.

Warum greifen Falschaussage und Meineid bei der Polizei meist nicht?

Ein Blick auf die gesetzlichen Voraussetzungen zeigt: Die klassischen Aussagedelikte setzen eine Aussage vor Gericht oder vor einer Stelle voraus, die zur eidlichen Vernehmung zuständig ist. Die Polizei ist im Ermittlungsverfahren zwar zur Erforschung von Straftaten berufen. Eide nimmt sie aber nicht ab.

Was § 153 StGB verlangt

Die falsche uneidliche Aussage nach § 153 StGB trifft Zeugen und Sachverständige, die vor Gericht oder einer anderen zur eidlichen Vernehmung zuständigen Stelle vorsätzlich falsch aussagen. Der Strafrahmen reicht von drei Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Bei einer bloßen Zeugenaussage gegenüber der Polizei entsteht diese Strafbarkeit regelmäßig nicht.

Warum Belehrung und Protokoll nichts ändern

Entscheidend ist nicht, ob die Vernehmung förmlich ablief. Auch eine ausdrückliche Zeugenbelehrung und ein Protokoll machen eine Polizeidienststelle nicht zu einer Stelle, die Eide abnehmen darf. Dasselbe gilt für den Meineid nach § 154 StGB. Er setzt einen falschen Schwur vor Gericht oder vor einer zur Eidesabnahme zuständigen Stelle voraus.

Der Grundtatbestand sieht Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor, in minder schweren Fällen sechs Monate bis fünf Jahre. Damit ist die Entwarnung aber nur halb vollständig, denn andere Tatbestände knüpfen gerade an Polizeiaussagen an.

Wann kann eine Aussage bei der Polizei trotzdem strafbar sein?

Doch was bedeutet das konkret für eine Zeugin, die nur Details weggelassen hat? Für sie ist zunächst wichtig, dass bloßes Weglassen oder Abschwächen etwas anderes ist als das Erfinden einer Tat. Die Vorschriften zum Vortäuschen einer Straftat und zur falschen Verdächtigung betreffen vor allem aktives Täuschen.

Das heißt aber nicht, dass Weglassen oder Abschwächen stets ungefährlich wäre: Wer bewusst falsche oder unvollständige Angaben macht, um einen Täter zu schützen, kann sich in besonderen Konstellationen auch wegen Strafvereitelung (§ 258 StGB) strafbar machen.

Vortäuschen einer Straftat, § 145d StGB

Wer wider besseres Wissen gegenüber einer Behörde vortäuscht, es sei eine rechtswidrige Tat begangen worden, kann nach § 145d StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden. Der Tatbestand knüpft ausdrücklich an das Verhalten gegenüber Behörden an, zu denen auch die Polizei zählt.

Vortäuschen einer Straftat und falsche Verdächtigung

Typische Fallgruppen sind die erfundene Tat, das Täuschen über Beteiligte und die gezielte Belastung einer bestimmten Person.

Die falsche Verdächtigung nach § 164 StGB geht dabei einen Schritt weiter als § 145d StGB: Sie setzt an, wenn jemand gegenüber einer Behörde einen anderen wider besseres Wissen einer rechtswidrigen Tat verdächtigt. Es geht also um eine konkrete Person, die in ein Verfahren hineingezogen werden soll.

Die Rolle entscheidet über das Risiko

Rolle bei der Vernehmung und typisches Risiko

Rolle Wahrscheinliche Fragestellung Typisches Risiko
Zeuge Wurde etwas erfunden oder eine Person gezielt belastet? § 145d oder § 164 StGB, nicht aber §§ 153, 154 StGB
Beschuldigter Wurde über die eigene Verteidigung hinaus ein anderer belastet? Falsche Verdächtigung, wenn eine bestimmte Person wider besseres Wissen beschuldigt wird
Geschädigter Wurde eine Tat erfunden oder übertrieben dargestellt? Vortäuschen einer Straftat, wenn die Tat wider besseres Wissen behauptet wird

Genau hier wird es kritisch, denn entscheidend ist, was die Person wusste und wollte.

Irrtum, Lücke oder Vorsatz: Woran machen Ermittler eine bewusste Falschangabe fest?

Für die Betroffene aus unserem Beispiel dreht sich die Sorge jetzt um genau diese Frage: Hat sie wider besseres Wissen gehandelt? In den Nächten danach kreisen die Gedanken um Beruf und Familie, und jede Erinnerung an die Vernehmung wird neu durchgespielt. Rechtlich zählt nicht das Gefühl, sondern, was sich belegen lässt.

Was Vorsatz bedeutet

Ein Irrtum, eine lückenhafte Erinnerung oder eine unbewusste Übertreibung genügt nicht. Wer sich falsch erinnert oder Wahrnehmungen verwechselt, handelt grundsätzlich nicht vorsätzlich. Vorsatz kann aber aus den Umständen abgeleitet werden. Ermittler achten deshalb auf Indizien, die für eine bewusste Falschangabe sprechen.

Wie Angaben gegeneinander stehen können, zeigt der Beitrag Aussage gegen Aussage in Sexualstrafverfahren.

Typische Indizien für eine bewusste Falschangabe

Vorsicht bei Nachrichten und Absprachen

Chatverläufe und Telefonate mit anderen Beteiligten können später als Beweismittel gelesen werden. Wer jetzt Nachrichten löscht oder Absprachen trifft, kann aus einer harmlosen Lücke einen Verdacht auf Vorsatz machen.

Mit dieser Einordnung stellt sich die Frage, welche Fehler jetzt vermieden werden sollten und wann Handeln nötig ist.

Was sollten Betroffene jetzt nicht tun und welche Schritte stehen an?

Wer die Lage nüchtern einordnet, erkennt schnell, wo Handlungsbedarf besteht. Gut gemeinte Reaktionen können die Lage verschlechtern. Der Impuls, alles sofort geradezurücken, ist verständlich, aber riskant, solange Rolle und Aktenlage ungeklärt sind.

Häufige Fehler nach einer Vernehmung

Weitere Angaben ohne Beratung, spontane Korrekturen bei der Dienststelle, Absprachen mit anderen Beteiligten und das Löschen von Nachrichten gehören zu den typischen Fehlern. Jeder dieser Schritte kann Ermittlern neue Anhaltspunkte liefern. Ein Anruf bei der Dienststelle oder ein selbst formuliertes Schreiben wirkt schlicht, kann aber später gegen Sie verwendet werden.

Was Sie nach einer Polizeivernehmung jetzt beachten sollten

01Keine weiteren Angaben machen, bevor die eigene Rolle geklärt ist
02Nachrichten, Chatverläufe und Unterlagen unverändert aufbewahren
03Keine Absprachen mit anderen Beteiligten treffen
04Bei einer weiteren Ladung nicht allein reagieren, sondern vorher anwaltlichen Rat einholen
05Mit einem Anwalt klären, ob und in welchem Umfang Einsicht oder Auskunft in die Ermittlungsakte möglich ist
06Eine mögliche Ergänzung der Aussage erst nach der Prüfung besprechen

Ob und in welchem Umfang Einsicht oder Auskunft in die Ermittlungsakte möglich ist, klärt ein Anwalt. Das hängt auch davon ab, in welcher Rolle Sie im Verfahren stehen. Zur Ladung durch die Polizei finden Sie weitere Hinweise im Beitrag Vorladung wegen Sexualstraftat bei der Polizei.

Auch zeitlich gilt: Eine feste Frist muss nicht ablaufen, damit Warten schadet. Je länger sich Annahmen verfestigen und Beteiligte sich untereinander austauschen, desto schwerer wird die Lage zu ordnen.

Sie sind unsicher, ob Ihre Angaben bei der Polizei Folgen haben? Schildern Sie uns Ihre Situation. Rechtsanwalt Odebralski ordnet Ihre Rolle ein, bevor Sie etwas unternehmen.

Fall vertraulich prüfen lassen

Die nächsten Schritte zeigen, wie anwaltliche Prüfung hier Klarheit schafft.

Wie schafft anwaltliche Prüfung Klarheit über das tatsächliche Risiko?

Der nächste rechtssichere Schritt ist die strukturierte Prüfung der Lage anhand der verfügbaren Unterlagen. In unserem Beispiel läuft das typischerweise so ab: Die Zeugin macht keine weiteren Angaben und lässt anwaltlich klären, ob und in welchem Umfang Einsicht oder Auskunft in die Ermittlungsakte möglich ist. Danach wird geprüft, ob sich Vorsatz überhaupt belegen lässt.

Was bei der Prüfung geschaut wird

Gesichtet werden, soweit verfügbar, Vernehmungsprotokoll, Nachrichten und die Angaben anderer Zeugen. Es geht darum, ob die Aussage mit der übrigen Beweislage kollidiert und ob dafür Absicht erkennbar ist. Wer dabei nur Details weggelassen oder Abläufe abgeschwächt hat, liegt rechtlich anders als jemand, der eine Tat erfunden oder eine Person gezielt belastet hat.

Was am Ende steht

Ergebnis der Prüfung ist Klarheit über die eigene Rolle und das tatsächliche Risiko. Gegebenenfalls kommt eine sachliche Ergänzung der Aussage in Betracht. Ob und wie sie erfolgt, wird erst nach der Aktenlage entschieden. Das beschreibt einen typischen Ablauf und keinen zugesagten Erfolg, denn ein Ergebnis lässt sich nie garantieren.

Ergänzung nur nach Prüfung

Eine nachträgliche Ergänzung kann sinnvoll sein, muss aber zur Aktenlage passen. Was vorschnell nachgereicht wird, kann neue Fragen aufwerfen.

Einige Fragen tauchen in dieser Situation immer wieder auf.

Häufige Fragen zur Falschaussage bei der Polizei

Zu den häufigsten Unsicherheiten gibt es klare Antworten.

Ist eine Lüge bei der Polizei strafbar?

Nicht jede Unwahrheit ist strafbar. Eine Strafbarkeit nach §§ 153, 154 StGB scheidet bei der Polizei regelmäßig aus. Wer aber eine Straftat erfindet oder jemanden wider besseres Wissen belastet, kann sich nach § 145d oder § 164 StGB strafbar machen. In besonderen Konstellationen kommt auch Strafvereitelung nach § 258 StGB in Betracht.

Darf ich als Zeuge Angaben verweigern?

Zeugen dürfen die Auskunft auf Fragen verweigern, durch deren Beantwortung sie sich selbst der Gefahr der Strafverfolgung aussetzen würden.

Auskunftsverweigerungsrecht, § 55 StPO

Nach § 55 StPO muss ein Zeuge Fragen nicht beantworten, wenn die Antwort ihn oder einen Angehörigen der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen würde.

Was gilt bei einer Aussage vor Gericht?

Vor Gericht kommen die Aussagedelikte der §§ 153, 154 StGB hinzu: eine vorsätzlich falsche Zeugenaussage kann nach § 153 StGB strafbar sein, ein falscher Eid nach § 154 StGB. Auch bei Polizeiaussagen können § 145d und § 164 StGB empfindliche Strafen nach sich ziehen.

Kann ich meine Aussage nachträglich ergänzen?

Grundsätzlich ja, aber nicht auf eigene Faust. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, sollte erst nach der Prüfung der Rolle und der Akte entschieden werden.

Zusammenfassung: Was zählt für Ihre Situation jetzt?

Zusammengefasst gilt: Eine bloße Aussage bei der Polizei ist keine Falschaussage nach § 153 StGB und kein Meineid nach § 154 StGB. Ein Risiko kann sich aber aus anderen Tatbeständen wie § 145d, § 164 oder § 258 StGB ergeben. Entscheidend ist der Vorsatz. Irrtum und Erinnerungslücken genügen nicht. Machen Sie keine weiteren Angaben ohne anwaltliche Beratung.

Fragen Sie jetzt eine vertrauliche Erstberatung bei Rechtsanwalt Odebralski an. Gemeinsam klären wir Ihre Rolle und das tatsächliche Risiko, bevor Sie handeln.

Fall vertraulich prüfen lassen

Quellen

Rechtsquellen und weiterführende Informationen

  1. Vortäuschen einer Straftat, § 145d StGB
  2. Auskunftsverweigerungsrecht, § 55 StPO
Rechtsanwalt Nikolai Odebralski

Autor

Rechtsanwalt Nikolai Odebralski

Bundesweit anerkannter Experte für Sexualstrafverfahren. Seit 2010 betreut Rechtsanwalt Nikolai Odebralski jedes Mandat persönlich, mit über 800 begleiteten Fällen jährlich.

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